Bei der Ehevorbereitung lernt das Paar zu reden


Von Christine Ulrich (epd)
Erschienen am 19.03.2026 im Evangelischen Pressedienst (epd)
Katholische Ehevorbereitungskurse gibt es seit Jahrzehnten, auch ökumenische sind im Angebot. Heute werden die Brautleute nicht mehr nur in Kirchenrecht geschult, sondern zu ihrer Beziehung beraten - was das Ehepaar Hirsch De Hesselle super fand.
Regensburg/München (epd). Das Schönste am Kurs war: «Wir haben gemerkt, dass wir tatsächlich gleiche Vorstellungen und Zukunftspläne haben», sagt Laura Hirsch De Hesselle. «Das hat uns bestärkt, in die gemeinsame Richtung weiterzugehen.» Sie und ihr damaliger Bräutigam, Christian Hirsch De Hesselle, haben im vergangenen Jahr einen Ehevorbereitungskurs der Diözese Regensburg besucht. Die katholischen Kurse haben trotz schrumpfender Kirche weiterhin Zulauf - wohl auch, weil sie sich gewandelt haben.
Nicht mehr nur kirchliches Dogma, auch Kommunikation in der Ehe wird thematisiert: «Wie spricht man richtig miteinander, auch im Streitfall», erzählt Laura über den eintägigen Kurs, an dem mehr als 20 Paare teilnahmen. Sich überhaupt mal einen Tag Zeit zu nehmen, um über das künftige gemeinsame Leben nachzudenken, «gerade in der Hektik der Hochzeitsvorbereitung»: Das hat Christian beeindruckt.
Die Kurse gibt es seit mehr als 50 Jahren Laut dem Pastoralreferenten und Leiter der Fachstelle «Ehe und Familie» im Bistum Regensburg, Andreas Dandorfer, gibt es Ehevorbereitungskurse bundesweit seit mehr als 50 Jahren. Mitte der 1960er Jahre wandelte sich das gesellschaftliche Paarverständnis, die Rollen wurden neu ausgehandelt, und die Kirche sah die Notwendigkeit, sich einzuschalten.
Anfangs sei den Kursteilnehmenden geballtes Expertenwissen von Priestern, Anwälten und Frauenärzten vermittelt worden. Später rückte der Austausch in den Vordergrund. Geleitet wurden die Kurse von Beziehungsexperten und Priestern. Heute sind es laut Dandorfer manchmal Ehrenamtliche, meist aber pastorale Mitarbeitende, «die theologisch und in Beziehungsdingen geschult sind».
«Was bedeutet eheliche Liebe als Symbol der Liebe Gottes?»
In erster Linie dienen die Kurse dazu, die Brautleute auf das katholische Sakrament der Ehe vorzubereiten. Dazu gehören Fragen wie: «Was versprechen wir uns da eigentlich? Was bedeutet eheliche Liebe als Symbol der Liebe Gottes?», so Dandorfer. 1981 machte Papst Johannes Paul II. in seinem Schreiben «Familiaris Consortio» deutlich, wie hoch der Stellenwert der christlichen Ehe und Familie ist.
Ein bisschen Druck ist schon da. Kirchenrechtlich muss ein Geistlicher die Brautleute über die Ehe aufklären, meist in einem mehrstündigen Gespräch. «Kann er diese Aufgabe nicht übernehmen, ist ein Kurs in der Regel verpflichtend», sagt Dandorfer. Zwar werde - auch im Sinne des päpstlichen Schreibens - niemandem die Trauung verweigert, der keinen Kurs gemacht habe, aber «die Paare werden nachdrücklich eingeladen».
In der Erzdiözese München und Freising seien die Kurse «nicht verpflichtend», sagt Sprecherin Gudrun Lux. Etwa 20 Prozent der Paare, die kirchlich heiraten, besuchten dort ein Seminar.
Drei Themenblöcke: Kirchenrecht, Kommunikation, Gottesdienst Freunde und der Pfarrer hatten den Hirsch De Hesselles den Kurs empfohlen. Zwar seien sie ohnehin «kirchenverbunden», sagen sie, trotzdem habe er sie «positiv überrascht - gerade die Themenmischung». Neben Kirchenrecht gibt es zwei weitere Blöcke, erstens: Partnerschaft, Kommunikation, Umgang mit Krisen und Konflikten. Laura erzählt von Spielen zur Frage, wie gut man den Partner kennt, von Gruppenarbeiten und wie sie eine Steincollage gelegt haben - «so wie man an einer Ehe baut». Darüber nachzudenken schade auch Paaren nicht, die schon länger zusammen seien - was heute der Normalfall sei, so Dandorfer. Zum zweiten wird der Ablauf des Traugottesdienstes besprochen: «Wie können wir ihn persönlich gestalten, welche Elemente sind gesetzt?» Fürbitten und Lesungstexte etwa können individuell ausgesucht werden, ebenso die Musik. Dabei muss Dandorfer auch mal erklären, warum der Rocksong «Highway to Hell» von AC/DC keine gute Idee sei. Laura berichtet, das Feedback der Gäste auf ihren Gottesdienst sei gut gewesen - «er war eben nicht Schema F».
Studie: Qualität der Kurse ist gut. Das junge Ehepaar scheint zu bestätigen, was eine Studie der Katholischen Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt und der Universität Regensburg von 2025 herausgefunden hat. Fazit: Die Qualität der Ehevorbereitung in Deutschland sei gut, doch es gelte, die Kurse weiterzuentwickeln. Ehevorbereitungskurse gibt es bayernweit. Das Bistum Regensburg bietet im Jahr knapp 100 Tageskurse an. Wochenendkurse kommen selten zustande, «sehr nachgefragt» vor allem bei jungen Eltern seien Online-Abende, zudem arbeitet Dandofer an hybriden Formaten. In München und Freising finden rund 50 eintägige Kurse statt, ein Dutzend für konfessionsverschiedene Paare sowie - wie auch Regensburg
- zwei Wochenenden mit Kanufahren. Bamberg veranstaltete vergangenes Jahr zwölf Tages- und vier Onlinekurse.
Auch ökumenische Eheseminare sind nachgefragt Auch ökumenische Veranstaltungen sind im Angebot. Die evangelische Kirche hat ein anderes Verständnis von Ehe und darum keine eigenen Kurse. Seit Jahrzehnten gibt es aber auch gemeinsame «Eheseminare» mit katholischen Partnern, erläutert Philipp Bäumer, der diese früher für den Kirchenkreis Schwaben-Altbayern mit der Erzdiözese München und Freising koordiniert hat. Sie seien «konfessionsverbindend» weiterentwickelt worden. So gehe man heute nicht mehr das katholische Ehevorbereitungsprotokoll durch, sagt Bäumer. Darin wird etwa abgefragt, ob Ehehindernisse bestehen - darunter «Frauenraub» und «Unfähigkeit zum ehelichen Akt». Inzwischen gehe es vor allem um Beziehungskommunikation «aus einer christlichen Haltung heraus».
Nachgefragt seien die Kurse gerade auch bei binationalen Paaren.
Katholische und evangelische Grundansichten zur Ehe seien sehr ähnlich: «Gott ist mit seinem Segen dabei.» Und auch die praktischen Fragen ähneln sich. Laut Bäumer münden die Kurse häufig in einen Austausch der Paare über geeignete Hochzeitslocations. In jedem Fall gingen geschätzt 80 Prozent der Teilnehmenden zufrieden nach Hause, sagt Dandorfer: «Und wir hoffen, dass sie in einer anderen Lebensphase wiederkommen.»
Info
Die Publikation: Rupert M. Scheule/Klaus Stüwe (Hg.), «Kirchlich heiraten. Was Paare sich erwarten und wie Kirche begleiten kann».
Verlag Herder Freiburg, 2025.